„Go West" setzt Zeichen der Hoffnung in Trier-West

Die erste Jahreshälfte 2006 stand nicht nur für die Fachhochschule Trier sondern besonders auch für den Stadtteil Trier-West unter einem ganz besonderen Vorzeichen, dem Motto „go west".

In Trier-West, einem Stadtteil, der öffentlich leider vielfach – und oft sehr zu Unrecht – negativ besetzt ist, besteht seit langem vielfältiges Bestreben, die positiven Seiten des Stadtteils und seiner Menschen herauszustellen.


Trier-West ist ein sehr lebendiger Ort zum Leben und bietet weitaus mehr als schlechten Wohnraum in ehemaligen Kasernen und soziale Probleme. Trier-West und das angrenzende Pallien verfügen über wichtige Attribute positiver Lebensmöglichkeiten in einer (Fast-) Großstadt: eine gute Infrastruktur für alle täglichen Bedarfe, eine nahe Anbindung zum Stadtzentrum, attraktive und ruhige Wohnlagen sowie eine Umgebung mit touristischen Zielen und ausgesprochenem Naherholungscharakter – die Mosel zu Füßen des Stadtteils und einladende Waldgebiete und Höhenzüge an der äußeren Abgrenzung.
Insbesondere aber zeigen die Menschen in Trier-West, die sich sehr mit ihrem Stadtteil identifizieren und viele Verbindungen untereinander pflegen, dass Gemeinschaft auch in einer größeren Stadt sehr gut funktionieren kann.


Bei „go west" ging es den InitiatorInnen – besonders zu nennen sind hier Linde Andersen, eine Wahl-Trier-Westerin, und die Professorinnen des Fachbereichs Gestaltung, Anna Bulanda-Pantalacci und Marion Goerdt – nach einem ersten Treffen im Stadtteilbüro und einem Rundgang durch den Kasernenbering darum ein Projekt umzusetzen, welches die offenkundigen Sanierungsprobleme nicht verschleiert aber den Schwerpunkt bewusst auf die positiven Attribute und Stärken des Wohnbereiches, seine Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten setzt.
Die folgenden Planungen für das Kooperationsprojekt „go west" richteten sich daher auf das Ziel einer Ausstellung in einem leer stehenden Kasernenblock aus, wodurch ein auf den ersten Blick nur maroder Bau mit seinen dahinter erkennbaren architektonischen Werten eines denkmalgeschützten Ensembles positiv ins Licht gesetzt werden sollte.

 

Die Projektplanung entwickelte sehr schnell eine gewisse Eigendynamik und setzte ungeahnte kreative Prozesse in Gang: Auf Seiten des Fachbereichs Gestaltung führte die Ausschreibung des Projekts für das Sommersemester 2006 zu enormem Interesse bei den Studierenden (am Ende ca. 60 Projektbeteiligte) und darüber hinaus zu einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit aus den Bereichsschwerpunkten Kommunikationsdesign, Architektur, Innenarchitektur und Modedesign unter gemeinsamer Betreuung von fünf Professor/innen, die – erstmalig in dieser übergreifenden Form – insgesamt 17 studentische Einzelprojekte anleiteten und betreuten.
Auf der Stadtteilseite wurde das Projekt im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungsprogramms „Soziale Stadt" über das Stadtteilbüro Trier-West organisiert und von dort aus mit den benachbarten sozialpädagogischen Einrichtungen, den Bewohner/innen und weiteren Gremien des Stadtteils vernetzt. Auch hier wurden dabei neue Maßstäbe einer noch engeren und intensiveren Zusammenarbeit gesetzt.


Zusätzlich zu den studentischen Beiträgen, die z. T. gemeinsam mit unterschiedlichen Bewohnergruppen durchgeführt wurden, konnten mehrere Workshops mit den regionalen Künstlern Linde Andersen und Jürgen Küpper sowie ein arbeitsmarktbezogenes Begleitprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Lokales Kapital für Soziale Zwecke" umgesetzt werden.
Eine beeindruckende zweitägige Ausstellung aller Arbeiten bildete den Abschluss und Höhepunkt des Kooperationsprojekts „go west", begleitet mit einem umfangreichen Festprogramm im Kasernenbering, zu dem u.a. auch ein Benefizkonzert der „Leiendecker Bloas" gehörte.
Das Gesamtprojekt „go west" führte – nicht zuletzt durch das außerordentliche Engagement aller Beteiligten – mit der Ausstellung und dem Stadtteilfest zu einem sehr guten und öffentlich viel beachteten Ergebnis, welches alle Beteiligten nahe zusammenrücken ließ und neue Hoffnung auf eine positive Weiterentwicklung des Stadtteils vermittelte.